Meyer in Dorfmark:" Will den gemeinsamen Weg"

30.09.17

 

Niedersächsischer Landwirtschaftsminister auf Einladung der Grünen Bundestags- und Landtagskandidaten im Gespräch mit Landwirten

 

Rolf Hillmann


DORFMARK. „Die sanfte Agrarwende“, zu diesem Thema luden die beiden Grünen-Bundestags- und Landtagskandidaten, Ellen Gause und Holger Stolz, zu einer Diskussionsveranstaltung nach Dorfmark ein. Kein geringerer als der amtierende Landwirtschaftsminister Christian Meyer lieferte das Eingangsreferat, nach dem ausgiebig diskutiert werden sollte. Wer den offenen Streit zwischen konventionell wirtschaftenden Landwirten, ihren berufsständischen Vertretungen und dem Landwirtschaftsministerium und dessen Reizfigur Meyer in den vergangenen Jahren verfolgt hat, rechnete mit einem mindestens kontroversen Abend.

 

Wer aber nun aufgebrachte Landwirte in nennenswerter Zahl und hitzige Streitgespräche erwartet hätte, sah sich getäuscht. Eine Handvoll Landwirte war gekommen, der Rest waren grüne Parteigänger, dazu einige „neutrale“ Gäste – insgesamt 50 bis 60 an der Zahl, was für eine politische Veranstaltung vielleicht nicht wenig war, aber vor dem Hintergrund der Themen und Gegensätzlichkeiten doch etwas enttäuschend.

 

Wenn ein Minister im Wahlkampf auftritt, noch dazu ein so umstrittener wie Christian Meyer, der in Landwirtschaftskreisen offen abgelehnt wird, dann muss er für seine Politik werben und Erfolge vorweisen. Das tat Meyer. Er erläuterte den Tierschutzplan, der im Konsens mit Tierschutz

und Bauernverband fertiggestellt worden sei. Dazu gehöre das Verbot des Schnäbelkürzens bei Hühnern, das Verbot deren Käfighaltung und die Tatsache, dass es mittlerweile drei Millionen Legehennen mehr in der Freiland-Haltung gebe, Biohühner erlebten einen Boom. Der jüngste Erfolg von Meyer ist im Schweinestall zu finden: Dort bezahlt das Land für jeden intakten, also nicht kupierten Schwanz 16,50 Euro, und damit das auch kontrolliert werden kann, wurde gleich ein neuer Beruf kreiert – der des Schwanzzählers. Weiterer Erfolg in der Meyer-Bilanz: Die Anti-biotikaresistenzen seien erfolgreich bekämpft worden, in zweieinhalb Jahren seien 21.000 Betriebe in das Antibiotikum-Management aufgenommen worden, der Einsatz sei um die Hälfte reduziert worden. 28 Millionen Euro habe das Land für Tierschutz ausgegeben. Und auch bei dem Projekt der zertifizierten Weidemilch habe das Land mit 30 Millionen Euro tief in die Tasche gegriffen. Für jede Kuh, die nachweislich 120 Tage im Jahr sechs Stunden am Tag auf der Weide verbringt, gibt es 60 Euro. In dieselbe Richtung ziele das nächste Vorhaben: Bei „Lass die Sau raus“ sollen Betriebe pro Muttersau 150 Euro erhalten, wenn sie auf den Kastenstand verzichteten. Grüne Landwirtschaftspolitik, so Meyer, will Tiere schützen und bäuerliche Betriebe stärken. Das jetzige Agrarsystem der EU sei total ungerecht, weil es hektarabhängig sei. Die 20 Prozent größten Betriebe erhielten 80 Prozent der Gelder. Die Großen würden für den 1000. Hektar noch genau so viel bekommen wie die Kleineren für den zehnten. Deshalb sei ein wesentlicher Teil der „sanften Agrarwende“, die zu fördern, die mehr Tierschutz und mehr Landschaftsschutz betrieben. Dazu gelte es, regionale Vermarktungskonzepte zu stärken.                                                                                     

 

Nirgendwo wird der Gegensatz zwischen grüner Landespolitik und Akzeptanz auf dem Land so spürbar wie beim Thema Wolf. Aber auch dazu stellte sich der Agrarminister und räumte erst mal mit „falschen“ Zahlen auf. Die Weidehaltung würde nicht geringer werden, sagte er, sondern zunehmen. Das liege daran, dass die Schafshaltung besser unterstützt werde und in die erste Säule der Agrar-förderung aufgenommen worden sei. Während bundesweit die Schafszahlen sinken würden, würden sie in Niedersachsen steigen – trotz des Wolfes. Meyer räumte ein, dass es ein Drama sei, wenn Wölfe ein Tier rissen, „denn er tötet nun mal nicht tierschutzgerecht“. Deshalb

müsse die Weidehaltung trotz Wolfes gestärkt und Rahmenbedingungen geschaffen werden, die es lohnten, Tiere auf der Weide zu halten. Er gab zu, dass er sich manchmal mit seinem Parteifreund, Umweltminister

Stefan Wenzel, nicht einig sei: „Im Zweifelsfall bin ich dafür, erst mal zu zahlen, bevor auch der letzte DNA-Test vorliegt.“ Allerdings wehrte sich Meyer gegen eine „populistische Debatte“. Nicht die Grünen seien verantwortlich für die Wiederansiedlung des Wolfes. Die CDU habe sich 2013 in ihrem Wahlprogramm noch damit gerühmt, dass der Wolf in Niedersachsen wieder heimisch werde.

 

Zum Thema Glyphosat sah der Landwirtschaftsminister den Kauf von Monsanto durch Bayer sehr skeptisch: „Jetzt befinden sich Saatgut und Düngemittel in einer Hand.“ Deutschland sei in Europa nicht das einzige Land, das Glyphosat sehr kritisch sehe. Die Frage, ob das Mittel gefährlich sei, müsse klar beantwortet werden: „Und wenn es gefährlich ist, muss es aus Gründen der Vorsorgepflicht verboten werden.“ Insgesamt sprach sich Meyer dafür aus, konventionell und ökologisch wirtschaftende Landwirtschaft nicht gegeneinander auszuspielen. Beide müssten weiterentwickelt werden, auf beiden Seiten müsse es Innovationen geben. In der anschließenden Diskussion meldete sich der Kreislandvolkvorsitzende Jochen Oestmann zu Wort und meinte, beim Landwirtschaftsminister „ein völlig anderes Wording“ herausgehört zu haben. Er freue sich über diese moderaten Töne, die die Hoffnung aufkommen ließen, dass Landwirte von Meyer nicht mehr als Brunnenvergifter und Tierquäler beschimpft würden. „Wir brauchen einen Umgang miteinander wie zivilisierte Menschen.“ Es könne nur mit den Landwirten, nicht gegen sie gehen. Christian Meyer ging darauf ein und erklärte noch mal sein Credo: „Wir wollen über Wege diskutieren und Pläne gemeinsam mit den Landwirten voranbringen.“

 

Sein Namensvetter, der Landwirt Hans-Georg Meyer aus Bosse, kritisierte, dass seitens der Grünen „immer subtil in nur eine Richtung gedacht wird, gegen die Landwirte.“ Er forderte den Minister auf, dafür zu sorgen, dass es wieder etwas objektiver zugehe, „Landwirtschaft ist nicht der Bösewicht.“ Dieser wiederum erklärte unmissverständlich: „Ich will den gemeinsamen Weg.“ Er sprach sich gegen Investoren Landwirtschaft und für bäuerliche Familienbetriebe aus. Er wolle Vielfalt fördern und Rahmenbedingungen für „Kleine“ schaffen.

 

Quelle: Walsroder Zeitung vom 18.09.2017
Autor: Rolf Hillmann

Dieser Text ist mit freundlicher Genehmigung der Walsroder Zeitung hier verwendet, weshalb wir der Walsroder Zeitung an dieser Stelle ausdrücklich danken.

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