Lehrern "irre Leistungen abverlangt"

11.10.17

Landtagswahl: Fraktionsvorsitzende und Spitzenkandidatin von Bündnis 90/Die Grünen Anja Piel besucht Heidekreis
Von Manfred Eickholt
DORFMARK. Eigentlich fährt Anja Piel als echte Grünen-Politikerin mit der Bahn. Doch dazu bleibt diesmal keine Zeit. Die vorgezogene Landtagswahl in Niedersachsen sorgt für einen extrem eng getakteten Wahlkampf-Marathon. Also reist die Fraktionschefin von Bündnis 90/Die Grünen auch nach Dorfmark mit dem Auto, um die Kandidaten im Heidekreis, Holger Stolz (Walsrode) und Markus Neuefeind (Soltau), zu unterstützen.
Ihr sei es wichtig, „nicht nur große Termine“ zu absolvieren. Regelmäßig besuche die Fraktion auch „kleine“Projekte in den Kreisverbänden; am Donnerstag waren der Biohof Wildung in Wenzingen und das Café der Heide-Werkstätten „Samocca“ in Walsrode Ziele. Zwei Stationen, die für wichtige Themen stehen. „Das Samocca ist ein gutes Beispiel für gelungene Inklusion im Arbeitsleben.“ Der gastronomische Betrieb in der Walsroder Innenstadt, in dem Behinderte und Nichtbehinderte gemeinsam arbeiten, sei „ein Konzept, das funktioniert“.
Ansonsten sei das so eine Sache mit der Inklusion, vor allem im Bildungsbereich. Die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen am täglichen Leben, festgehalten in der UN-Behindertenrechtskonvention, ist mit dem vorhandenen Personal kaum machbar. „Wir haben zu wenig Leute“, weiß auch Anja Piel. In Schulen würden Lehrern „irre Leistungen abverlangt“. Man müsse sich darum kümmern, mehr Fachkräfte zu bekommen. Dazu gehöre es, die Bezahlung an Grundschulen anzupassen und auch Quereinsteigern Möglichkeiten zu eröffnen. „1000 Fachkräfte an 1000 Schulen“ sei ein erster Schritt. Auch in Kitas gelte es, so Holger Stolz, vorrangig flächendeckend für eine dritte Kraft und kleinere Gruppen zu sorgen – noch vor der Beitragsfreiheit, die 200 bis 220 Millionen Euro kosten soll. „Die Beitragsfreiheit darf nicht auf dem Rücken der Kommunen ausgetragen werden“, ergänzt Anja Piel. Da brauche man auch Geld von Land und Bund.
Beim Thema Landwirtschaft setzt die Vorsitzende der Grünen-Landtagsfraktion auf Dialog. Ob Tierwohl, Umwelt- und Naturschutz oder Ökolandbau: „Vieles liegt nicht nur in unserem Ermessen. Wir müssen Vorgaben aus Brüssel umsetzen, zum Beispiel beim Thema Gewässerschutz.“ Das alles sei ein Prozess, bei dem sich die Beteiligten „aufeinander zubewegen“ müssen.
Das gilt wohl auch für den Wolf. Immer noch sei der Eindruck verbreitet, die „Grünen haben den Wolf eingeladen“. Er sei von allein eingewandert, stellt Piel fest und verweist darauf, dass der Wolf geschützt ist. Deshalb mache auch die Aufnahme ins Jagdrecht wenig Sinn. „Wichtig ist uns, dass Hilfe für Weidetierhalter schneller kommt“, erklärt die Grünen-Politikerin. Mehr Unterstützung und auch mehr Wolfsberatungsstellen gehörten zu den Zielen der Grünen. Wenn ganze Rudel Schwierigkeiten bereiteten, dann müsse man auch „eine Entnahme in Betracht ziehen können“. Das Umweltministerium müsse sich mit einer schwierigen Rechtslage befassen. „Die Sicherheit der Menschen geht aber ganz klar vor“, stellt Anja Piel klar, „wir nehmen das Thema sehr ernst.“
Für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) im ländlichen Raum gebe es keinen Königsweg, der auch wirtschaftlich sei, so Piel zu einem weiteren Themenkomplex. „Ohne Auto wird es nicht gehen“, bleibt sie realistisch. Modelle wie
Carsharing, Sammeltaxis, Bürgerbusse, Fahrgemeinschaften und Ähnliches gelte es geschickt zu vernetzen, nennt sie einen Ansatz.


Quelle: Walsroder Zeitung vom 08.10.2017
Autor: Manfred Eickholt
Dieser Text ist mit freundlicher Genehmigung der Walsroder Zeitung hier verwendet, weshalb wir der Walsroder Zeitung an dieser Stelle ausdrücklich danken.

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Landtagswahl