14.10.2017

Wolf:" Tierhalter meht unterstützen"

v.l. Ellen Gause, Stefan Wenzel u. Holger Stolz

Wahlkampf-Endspurt: Stefan Wenzel, Niedersächsischer Minister für Umwelt, Energie und Klimaschutz, zu Gast in Dorfmark

VON MANFRED EICKHOLT

DORFMARK. Als besonders aufgeregter Typ gilt Stefan Wenzel nicht. Und so bleibt der niedersächsische Minister für Umwelt, Energie und Klimaschutz von Bündnis 90/Die Grünen auch im Endspurt des Landtagswahlkampfs gelassen. Dabei kommen bei Wenzel die besonders brisanten Themen auf den Tisch: Landschaftsschutz, Diesel-Affäre, Wolf – die Gemüter erhitzen sich gern rund um diese Stichworte. Zusammen mit dem Landtagskandidaten im Wahlkreis 43 Walsrode, Holger Stolz, stellte der Minister gestern in Dorfmark die Marschrichtung vor.
Die Grünen wollen echte „grüne“ Politik machen, damit uns nicht irgendwann der Himmel auf den Kopf fällt. Asterix-Leser wissen: Das ist die größte Angst der tapferen Gallier. Und wo Klimaschutzziele kaum noch erreicht werden können, wo sich Vögel und Insekten verabschieden, wo Diesel-Fahrzeuge sich als echte Luftverpester entpuppen und zu viel Nitrat im Grundwasser treibt, da müssen sich die Menschen sorgen, dass ihnen der Erdball irgendwann um die Ohren fliegt.
Das Problem: Wenzel muss auch bei den Menschen Verständnis wecken, die bei grüner Politik Einschränkungen zu ertragen haben. Spitzenvertreter der CDU im Land haben bereits kundgetan, mit einem Landwirtschaftsmister wie Christian Meyer, Wenzels Parteigenosse, auf keinen Fall weitermachen zu wollen. Wenzel selbst findet die CDU auch nicht so toll: „Eine Zusammenarbeit ist höchst unwahrscheinlich, so wie sich die CDU rund um die Sache mit Elke Twesten verhalten hat.“ Ihr Wechsel von den Grünen zur CDU hatte bekanntlich die vorgezogene Landtagswahl verursacht. Damit ist „Jamaika“ im Land eher unwahrscheinlich. Obwohl: „Wir sind bereit, mit allen zu sprechen – außer mit der AfD, die ich für zutiefst rassistisch halte“, stellt Wenzel klar. Die Grünen wollen „zweistellig“ abschneiden und am liebsten Rot-Grün fortsetzen, fügt er hinzu.
Es helfe aber nicht, „im Hinterzimmer“ zu taktieren. „Allein die Wähler müssen über Mehrheiten entscheiden.“ Und die verstehen zunehmend, dass man mit dem Himmel auf dem Kopf schlecht lebt. „Wir sind optimistisch“, glaubt Wenzel an viel Zuspruch.
Doch die Grünen müssen dazu viele ins Boot holen. Die Agrarwende (Stefan Birkner, FDP-Spitzenkandidat: „Wir wollen keine Agrarwende!“) sei eben eine „gemeinsame Herausforderung“. Doch ob hohe Nitratbelastung des Grundwassers oder Massentierhaltung: Am Ende des Tages könne nur ein Umdenken helfen. Geld kann man nicht essen, dicke Luft nicht auf Dauer unbeschadet atmen.
Niedersachsen hinke bei der Unterschutzstellung von Natur- und Landschaftsschutzflächen (Natura 2000) weit hinterher. Da gelte es, im Dialog miteinander zügig zu handeln. Beim Blick auf die Naturschutzstrategie der Grünen bereitet auch der Rückzug von Insekten und Vögeln Sorgen. Mancher Obstbauer sei schon in Not. Die Grünen forderten im Prinzip nicht mehr, als es die EU vorgibt, ergänzt Holger Stolz.
„Wir sind angetreten, die bäuerliche Landwirtschaft zu stärken“, führt Wenzel weiter aus, der nach Anja Piel auf Platz zwei der Landesliste antritt. Klasse statt Masse, laute das Motto. Verständnis dafür wachse, so Holger Stolz. „Der Dialog steht im Vordergrund. Aber wir wissen auch, dass es Kontroversen geben wird.“
Das gilt für das Thema Wolf ebenso. In manchen Landkreisen bereite Meister Isegrim reichlich Ärger, der Heidekreis sei „ein mittlerer Fall“, weiß Wenzel. Mit der frisch gedruckten Fortschreibung des „Niedersächsischen Wolfskonzepts“ will das Umweltministerium „der Entwicklung der Wolfspopulation und dadurch auftretender Veränderungen angemessen und nach Bedarf Rechnung tragen“. Wo es vernünftige Schutzzäune gebe, seien kaum Tierrisse festzustellen: „Da gibt es einen klaren Zusammenhang.“ Prävention helfe, Landwirte sollen dabei stärker als bisher unterstützt werden, kündigt Wenzel an. „Wir wollen auch Hobbyhalter einbeziehen.“ Und wenn es hart auf hart kommt, müsse man eben auch mal ein Tier entfernen.
Gegen dicke Luft setzen die Grünen auf eine Mischung – auch wenn in der Heide (noch) keine Grenzwerte überschritten werden. Förderprogramme im Bund für elektrische Busse, Bahnen und Taxis seien ein Erfolg gewesen, da gelte es am Ball zu bleiben. Auch Modelle wie Carsharing („Alternative für den Zweitwagen“) oder Radschnellwege könnten das Ziel einer nachhaltigen Mobilität unterstützen. Schmutzige Diesel sollen die Hersteller auf ihre Kosten nachrüsten, fordert Wenzel.

Quelle: Walsroder Zeitung vom 13.10.2017
Autor: Manfred Eickholt
Dieser Text ist mit freundlicher Genehmigung der Walsroder Zeitung hier verwendet, weshalb wir der Walsroder Zeitung an dieser Stelle ausdrücklich danken.

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