31.01.2018

"Umweltschutz wird nicht betrieben, um Leute zu ärgern"

Fordern vorrangig den Erlass einer Naturschutzgebietsverordnung: die Vorsitzenden des Kreisverbands Bündnis 90/Die Grünen im Heidekreis, Ellen Gause und Dr. Hans-Peter Ludewig. Foto: mä

 

Kreisverband der Grünen fordert mehr Naturschutzgebiet bei Ausweisung im Aller-Leine-Tal
Von Märit Heuer
DORFMARK. „Eigentlich sind die Grünen eine Großstadtpartei“, findet Dr. Hans-Peter Ludewig. Ellen Gause stimmt zu: „Auf dem Land sind wir Einzelkämpfer. Lars Klingbeil hatte im Bundestagswahlkampf 50 Mitarbeiter seiner Partei vor Ort – wir hatten fünf.“ Aber Manpower hin oder her: Die Mitglieder von Bündnis 90/Die Grünen wollen etwas bewegen, sind sich die beiden Kreisvorsitzenden einig. Besonders jetzt, da die Schutzgebietsausweisung im Aller-Leine-Tal ansteht, sehen sie sich in der Pflicht, für mehr Naturschutz zu kämpfen – im wahrsten Sinne des Wortes.
 „Der politische Wille tendiert eher zu mehr Landschaftsschutzgebiet“, bedauert Dr. Ludewig – und meint damit konkret die SPD- und die CDU-Fraktion im Kreistag. „Dabei könnten sich die bedrohten Bestände im NSG viel besser erholen, weil damit ein Verbesserungsgebot einhergeht“, ist er sich sicher. „Im LSG würden sie womöglich aussterben.“ Dort herrsche lediglich ein Verschlechterungsverbot für die ausgewiesenen Flächen. 56 Tier und 36 Pflanzenarten seien im betroffenen FFH- und dem Vogelschutzgebiet vom Landkreis als gefährdet und teilweise als vom Aussterben bedroht gemeldet. Enthaltene Biotope müssten teilweise vernetzt werden, um das Überleben der Arten zu sichern, fügt Dr. Ludewig hinzu und schlägt eine Clusterbildung vor. Ebenso müsse mit den betroffenen Nachbarlandkreisen abgestimmt werden, dass „Gleiches gleich behandelt wird“.
Ansonsten drohen Klagen – ebenso, wenn eine LSG-Verordnung erlassen wird, die nicht alle von der EU geforderten Schutzmaßnahmen enthält. „Eine NSG-Verordnung ist einfacher und juristisch sicherer“, bekräftigt Dr. Ludewig. In Naturschutzgebieten gebe es außerdem für die Grundeigentümer einen Erschwernisausgleich, mit dem einige Betriebe schon seit längerer Zeit rechneten. „Wenn wir den Biohöfen die Erschwerniszulage wegnehmen, schädigen wir sie massiv“, bekräftigt Dr. Ludewig. Ellen Gause fügt an, dass im NSG auch weiterhin gewirtschaftet werden dürfe – nur eben extensiv. „Umweltschutz wird nicht betrieben, um Leute zu ärgern“, stellt sie klar, „es geht um unsere Lebensgrundlage. Natürlich gibt es immer den Einzelnen, der verliert – aber die intensive Landwirtschaft wird auch aus den Reihen der Landwirte schon verstärkt kritisiert“, fügt sie hinzu. „Man kann nicht diejenigen, die schon auf extensiv umgestellt haben, mit einer LSG-Verordnung über die Klinge springen lassen.“
Der Vorschlag der Kreisgrünen lautet, 4190 Hektar des betroffenen Gebietes im Aller-Leine-Tal als NSG und 1990 Hektar als LSG auszuweisen. Diese Aufteilung entspreche auch den Ergebnissen der verschiedenen Arbeitskreise, bekräftigt Dr. Ludewig. Am 7. Februar werde der Kreisausschuss nichtöffentlich über die Anträge der verschiedenen Parteien beraten. „Anfang März tagen wir dann erneut, falls wir im Februar nur streiten“, fügt er mit einem Augenzwinkern hinzu. Am 16. März kommt dann wieder der Kreistag zusammen.
Gause und Ludewig hoffen auf ein baldiges Ergebnis, denn das Fristende der Schutzgebietsausweisung rückt näher. „Wenn Deutschland die bereits vor Jahren eigens gesteckten Ziele bis 31. Dezember 2018 nicht erreicht, drohen Strafzahlungen von etwa 750.000 Euro – pro Tag“, macht Dr. Ludewig den Ernst der Lage deutlich. „Ich verstehe die Ruhe mancher Kollegen im Kreistag nicht.“
Die Prioritäten sind in den Augen der Kreisgrünen jedenfalls ganz klar geordnet: „Wenn wir unsere Tier- und Pflanzenwelt für die kommenden Generationen erhalten wollen, müssen wir zuerst überlegen, welche Schutzmaßnahmen ergriffen werden müssen – an zweiter Stelle kommen dann die Überlegungen, wie den dadurch Betroffenen eine eventuelle Erschwernis, die sie im Interesse der Allgemeinheit auf sich nehmen, erleichtert werden kann“, lautet ihre Forderung.

Quelle: Walsroder Zeitung vom 30.01.2018
Autorin: Märit Heuer
Dieser Text ist mit freundlicher Genehmigung der Walsroder Zeitung hier verwendet, weshalb wir der Walsroder Zeitung an dieser Stelle ausdrücklich danken.


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